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OLYMPISCHE WINTERSPIELE 2010 CURLING

Coach oder Skip? – Skip und Team!

Zum Spiel China vs. Schweiz in Vancouver vom Mittwoch (17. Februar) waren beide Frauen-Teams mit kanadischen Betreuern angetreten. China noch zusätzlich mit einem Übersetzer. Die Swiss Curling Association delegierte neu Chris Hamblin als "Nationaltrainer Elite" nach Vancouver. Bis 2009 wirkte Heinz Schmid (Forst BE) als erfolgreicher "National Coach", Teambetreuer Marc Brügger (CC Dübendorf) übergeordnet.

Die Chinesinnen (Skip Bingyu Wang, Yin Liu, Qinshuang Yue, Yan Zhou, Jinli Liu) gewannen 2009 WM-Gold in Südkorea, wo die Schweizer Frauen den 5. Rang belegten. Die Schweizerinnen (Skip Mirjam Ott, Carmen Schäfer, Valeria Spälty, Janine Greiner, Carmen Küng), betreut damals vom Kanadier Ken Trainberg verloren mit 7:8 die Round-Robin-Partie gegen die Chinesinnen (Wang, Yin Liu, Yue, Zhou und Jinli Liu). Man kannte sich also in Vancouver, wusste um die Schwächen und Stärken der im Durchschnitt sechs Jahre jüngeren Equipe aus Harbin, der "Eisstadt" im Norden Chinas, ein Touristenziel, das sich um die Austragung kommender Olympischen Winterspiele bewirbt.

Das abgeklärte Beurteilen des Gegners gehört zum Fachwissen von Coach und Skip, als Grundlage der Strategie, offensive oder defensive Taktik, unter Berücksichtigung wechselnder Eisqualität (keen or heavy ice), bis zum Kalkulieren der Erfolgsquote im Besitz des "Hammer" (Vorteil des letzten Steins im letzten End). Spielunterbruch und Coach-Konsultation entspricht nicht der Tradition dieses alten Eisspiels, das ohne Schiedsrichter(un)wesen den "spirit of curling" hochhielt, die Einhaltung geschriebener und ungeschriebener Gesetze auf und neben dem Eis, die Pflege ehrlichen Sports als "Game" und der zu akzeptierenden Tücken (Glück genannt) verstanden.

Ein Coach bewegt sich auf dünnem Eis. Ein Team müsste ohne Fremdsteuerung (Bemutterung) den Weg zum Gold finden. Hat das Spiel einmal begonnen, werden Ratschläge von Aussenstehenden als Beeinflussung gesehen – und nicht weniger negativ vom Publikum wahrgenommen. Spiel ist Risikobereitschaft, Lotterie! Ein Coach muss damit leben können. Der Spott lauert um die Ecke, wenn die Beratung keine Früchte trägt.

Erwin A. Sautter (eas)